Geschichte

Der römische Feldherr Gaius Marius erwähnte um 102 v. Chr. erstmals eine Siedlung an dieser Stelle, deren Bewohner angelten und Salz gewannen, der Name „Ayga Mortas“ (totes Wasser) kam aber erst im 10. Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch. Im Jahre 1240 erwarb König Louis IX (Ludwig IX der Heilige) das Gebiet von der Benediktinerabtei Psalmody. Bis dahin hatte die französische Krone kein Land in Südfrankreich besessen und brauchte daher dringend einen Mittelmeerzugang, der auf königlichem Boden lag. So war der Landstreifen von enormer politischer Bedeutung, zumal er im Osten an die vom Hl. Römischen Reich abhängige Provence und im Westen an das englische Aquitanien sowie an das im Besitz des Königs von Aragonien befindliche Montpellier grenzte.  Also ließ Ludwig IX ab 1248 mächtige Befestigungsanlagen errichten, darunter die noch heute erhaltene Tour de Constance (Constance-Turm). Außerdem legte der König Kanäle zum Meer, nach Arles und nach Montpellier an. Um die Stadt zu bevölkern, gewährte er ihren Bewohnern in einem Privilegienbrief Steuerbefreiung. Von diesem Zeitpunkt an begann die eigentliche Geschichte von Aigues-Mortes mit ihren Kriegen und Friedensverträgen, ihrem Glanz und ihrem Elend. Von hier segelte Ludwig der Heilige, dem auf dem nach ihm benannten Hauptplatz eine Statue gewidmet ist, zum sechsten Kreuzzug ab. Gleichzeitig nützte er seinen ersten Hafen am Mittelmeer nicht nur für strategische Zwecke, sondern auch, um den Handel mit Italien und dem Orient anzukurbeln.   Die Nachfahren Ludwigs IX, Philipp III der Kühne und Philipp IV der Schöne, setzen sein Werk fort und ließen die Stadtmauern mit Wehrgang und zehn Stadttoren errichten. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war die Anlage vollendet, deren Grundform heute noch erhalten ist. Ab dem 14. Jahrhundert begann sich das Meer allerdings durch Versandung zurückzuziehen. So wuchs die Stadt nach ihrer kurzen Blütezeit nicht weiter und verlor ihre strategische Bedeutung endgültig an Marseille, nachdem die Provence 1481 an Frankreich gefallen war.  Die Bewohner konzentrierten sich fortan vor allem auf den Weinbau und die Salinen – Salz war ja damals als Konservierungsmittel von enormer Bedeutung. Auch heute wird außerhalb der Stadtmauern noch intensiv Salz gewonnen. Dadurch blieb Aigues-Mortes noch bis ins 16. Jahrhundert ein bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt der französischen Mittelmeerküste. Karl V. und Franz I trafen sich beispielsweise 1538 in Aigues-Mortes zu Verhandlungen für den Friedensvertrag von Nizza. Dann kam das wohl dunkelste Kapitel der Geschichte von Aigues-Mortes. 1598 hatte Heinrich IV das Edikt von Nantes erlassen, das den Protestanten Religionsfreiheit gewähren sollte. Dieses wurde jedoch 1685 von Ludwig XIV wieder aufgehoben und es folgte eine lange und grausame Unterdrückung und Verfolgung der französischen Protestanten (Hugenotten). Seit 1686 diente der Constance-Turm als Gefängnis für jene Hugenotten, die nicht zum Katholizismus konvertieren wollten. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in Languedoc und in den Cevennen zu einem Hugenottenaufstand, der als „Camisardenkrieg“ in die Geschichte einging. 1703 gelang einem Camisardenführer die Flucht aus dem Constance-Turm, der ab 1715 als Frauengefängnis diente – auch für Hugenottinnen. Seither hat sich natürlich viel geändert: Die Monarchie gehört längst der Vergangenheit an und niemand wird mehr wegen seines Glaubens verfolgt. Die Salzgewinnung und der Weinbau spielen zwar nach wie vor eine erhebliche Rolle für Aigues-Mortes. Hinzugekommen sind aber die Zucht von Pferden und Kampfstieren – und vor allem der Tourismus: Über 900.000 Gäste besuchen das kleine Städtchen pro Jahr und treten damit in die Fußstapfen berühmter Persönlichkeiten wie des Malers Vincent van Gogh oder des Schriftstellers Ernest Hemingway – die aus ihrer Liebe zu Aigues-Mortes nie ein Geheimnis machten…